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Allgemein

Weniger Plastik ist Meer – Packen wir’s an!

Titelgrafik via whales.org

Ihr Lieben, ich hoffe, ihr seid noch da? Ich tauche mal schnell auf aus meiner Masterarbeits-Bubble, um euch endlich von meinem Besuch beim Workshop der Organisation „Whale and Dolphin Conservation“ zu berichten und kurz dem Internet „Hallo“ zu sagen. Mir geht’s jedenfalls gut aber in einem Monat muss ich meine Arbeit abgeben und es ist noch so viel zu tun, aaah! Ich vermisse das Bloggen, und ich hab so viele Ideen, die auf Umsetzung warten… Naja, in einem Monat ist Abgabe und dann ist es wohl oder übel vorbei und ich bekomme meine Zeit und Energie zurück. Wir lesen uns dann wieder 🙂

Und jetzt zum Thema: Im Juni war ich auf meinem ersten Bloggerevent ever – einem Workshop zum Thema Plastikmüll und speziell dessen verheerende Auswirkungen auf Wale und Delfine. Da mir ja seit einiger Zeit die Vermeidung von unnötigem Verpackungsmüll sehr am Herzen liegt, habe ich mich besonders über diese Einladung gefreut. Veranstaltet wurde der Workshop von der Organisation „Whale and Dolphin Conservation“ – kurz „WDC“, die sich für den Schutz von Walen und Delfinen einsetzt, und so verbrachte ich gemeinsam mit neun anderen Bloggerinnen einen hochinteressanten Tag.

Auf dem Programm standen Vorträge unterschiedlicher Speaker und wir erfuhren viel Neues über Wale und Delfine, das globale Problem von Plastikmüll in unseren Ozeanen und in der Folge auch einiges über Strategien und Wege aus unserer globalen Misere.

Aber zuerst ein paar grundlegende Hintergrundinfos:

Wusstet ihr, dass pro Jahr zwischen 4,8 und 12,7 MILLIONEN Tonnen Plastik ins Meer gelangen? Das sind durchschnittlich 8 Tonnen, die Jahr für Jahr dazukommen zu all dem Plastik, das bereits in den Ozeanen gelandet ist. Sichtbar wird das zum Beispiel im sogenannten „Great Pacific Garbage Patch“, einem Müllstrudel in der Größe Mitteuropas, der im Pazifik treibt. So unglaublich und erschreckend diese wahrhaft flächendeckende Meeresverschmutzung klingen mag – das ist nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs: Gerade mal 15% des gesamten Plastikmülls im Meer treibt and der Oberfläche. Weitere 15% werden an Strände angespült und 70% befinden sich, für uns unsichtbar, auf dem Meeresgrund wo die verschiedenen Kunststoffe auch dort langsam aber nachhaltig das Ökosystem zerstören.

Man könnte nun meinen, dass das Plastik großteils von Schiffen aus ins Meer gelangt, aber dem ist nicht so: 80% des Plastiks kommt aus dem Inland, also direkt von uns. Wie das passiert, wird auf der folgenden Infografik deutlich:

 

Sehr amüsant wird der Weg des Plastiksackerls in Richtung Ozean auch in diesem Video illustriert:

 

Wie ihr sicherlich schon wisst, ist das große Problem mit Plastik, dass es sich einfach nicht zersetzt. Es wird vielleicht durch den Einfluss von Wasser und Sonne abgeschliffen und zerkleinert, aber es verschwindet nicht. Die Folge ist, dass Meerestiere das Plastik für Nahrung halten, es fressen und elendig daran zugrunde gehen. Sie verhungern mit vollem Magen. Oder Plastikteile blockieren die Speiseröhre und Nahrung gelangt nicht mehr in den Magen – das Tier kann dann doch fressen aber nie mehr satt werden und stirbt über Monate hinweg einen qualvollen Tod. Heimtückisch sind auch alte Netze aus der Fischerei, die sich immer enger ziehen und schließlich durch die Haut schneiden, tiefe, blutige Wunden hinterlassen und schließlich das Tier erdrosseln.

Irgendwann wird das Plastik dann noch kleiner. So klein, dass es sich als Mikroplastik völlig unsichtbar überall in der Natur einnistet – und schließlich, wie heute bereits der Fall, bei jedem von uns im Blut nachweisbar ist.

Was ich besonders traurig finde

Den meisten Menschen ist heute das Problem Plastik bewusst, aber trotzdem entscheiden sich die wenigsten dafür, aktiv gegenzusteuern. Woran liegt das? Alle schimpfen aber keiner will sich einschränken. Viele zeigen mit dem Finger auf Industrie und Politik – die sollen es richten. Viele scheinen darüber zu vergessen, dass selbst erzwungene Umstellungen bedeuten würden, dass WIR anders leben müssen. Die Gesellschaft besteht aus Individuen, es gibt nur Einzelpersonen, „die anderen“, die so übermächtig sind, dass man ja eh nix ändern kann, sind die Illusion.

Wir müssen uns eingestehen, dass wir selbst, zumindest in manchen Bereichen, zu diesen „anderen“, zu diesem Kollektiv, über das wir schimpfen, gehören. Es sind unsere eigenen Entscheidungen, die zu den Resultaten führen, die uns so aufregen.

Ich denke viele scheitern auch einfach am Perfektionismus. Entweder alles oder nichts muss es sein. Ich kann das gut nachvollziehen, denn ich tappe selbst immer wieder in diese spezielle Gedankenfalle. „Lohnt es sich wirklich, mit dem Stoffbeutel zum Bäcker zu gehen, wenn ich ich doch gerade im Supermarkt in Plastik verpackten Brokkoli und Kirschen gekauft habe?“, so der Monolog in meinem Kopf.

Dabei ist es das wichtigste, einfach anzufangen. Mit kleinen Schritten, die trotzdem viel bewirken. „Big Wins“ nennt man das, oder auch „Pareto-Prinzip“. Das bedeutet, man sollte sich auf die Dinge konzentrieren, bei denen viel zu holen ist und sich nicht mit verhältnismäßig unwichtigen Kleinigkeiten aufhalten. 20% der Verhaltens führen meist zu 80% der Wirkung. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man nur wenige Verhaltensweisen ändern muss, um dennoch einen großen Effekt zu erzielen.

Wichtig fand ich in diesem Zusammenhang auch den folgenden Spruch, der mir auf dem Workshop begegnet ist:

„Jede positive Handlung kann ein Individuum retten!“

Dieser Perspektivenwechsel ist sehr befreiend. Wir müssen nicht den Anspruch an uns haben, gleich die ganze Welt zu retten. Wenn mir beispielsweise mit dem eigenen Stoffbeutel einkaufen gehen, anstelle zu Einwegplastik zu greifen, dann landet vielleicht genau dieses Plastikteil nicht im Meer und das Tier, dass genau dieses Plastikteil für Nahrung gehalten hätte, wird nicht an diesem Plastikteil zugrunden gehen. Step by step lautet die Devise! In meiner derzeit etwas gestressten Verfassung weiß ich diese Herangehensweise besonders zu schätzen. Und: Wenn die Big Wins mal sitzen, haben wir vielleicht Lust, noch mehr zu tun.

Was bedeutet das konkret?

Ein großer Teil des Plastikmülls stammt aus einer der folgenden drei Hauptquellen:

  1. Plastiksackerl (Plastiktüten)
  2. PET-Flaschen
  3. Coffee to go Becher

Die gute Nachricht ist: Alle drei lassen sich wirklich leicht vermeiden! Können wir uns committen, diese drei Übeltäter aus unserem Alltag zu verbannen? Ich denke ja, und zwar unter wirklich minimaler persönlicher Einschränkung.

Was tun?

1. Plastiksackerl (= Plastiktüte 😉 )

Die unnötigste Erfindung überhaupt! Ein Plastiksackerl ist durchschnittlich 25 Minuten im Einsatz bevor es im Müll landet. Die Alternative: Immer eine Stofftasche dabeihaben. Für offenes Obst und Gemüse gibt es Netze aus Baumwolle, und die allermeisten Sorten kann man auch einfach ohne alle Verpackung gemeinsam in der Einkaufstasche transportieren.

2. PET-Flaschen

Mir war vor dem Workshop nicht bewusst, dass immer noch sehr viele Menschen (in Deutschland ganze 30%) ausschließlich Flaschenwasser konsumieren. Dabei ist das deutsche Trinkwasser aus der Leitung einwandfrei, unschlagbar günstig und zudem noch ein sehr regionales Produkt.

Als überzeugte Leitungswassertrinkering (das Wiener Wasser schmeckt mir deutlich besser als Mineralwasser) kann ich die Beweggründe, Wasser in Flaschen zu kaufen und nachhause zu schleppen, nicht ganz nachvollziehen. Zugegeben, nicht überall schmeckt das Leitungswasser gleich gut, doch dem Geschmack kann man man beispielsweise durch den Einsatz eines Wasserfiltersystems nachhelfen, wie beispielsweise das von BRITA. Sicher sollte das Leitungswasser definitiv sein. Wer Zweifel hat, kann sein Leitungswasser testen lassen (dazu einfach den örtlichen Wasseranbieter kontaktieren).

Wenn dann doch einmal Wasser in Flaschen gekauft wird, sollte man Mehrwegflaschen aus Glas den Einweg-PET-Flaschen vorziehen, die werden nämlich meist nicht mehr recycelt, weil das Verbrennen zur Energiegewinnung einfach billiger ist.

Für unterwegs lohnt es sich, eine wiederbefüllbare Wasserflasche anzuschaffen, aus BPA-freiem Kunststoff, Edelstahl oder Glas.

3. Coffee to go Becher

Coffee to go Becher haben nicht nur einen Deckel, der in der Regel aus Plastik ist, sie sind auch innen mit Kunststoff beschichtet. Und auch dieses Produkt hat eine äußerst kurze Nutzungsdauer. Viel besser, schöner und auch angenehmer im Trinkgefühl sind Mehrwegbecher. Die gibt es in vielen unterschiedlichen Ausführungen aus Kunststoff, Edelstahl oder auch Naturkunststoff auf Basis von Bambus oder Mais. Manche Bäckereien und Coffeeshops bieten sogar einen Rabatt, wenn man mit dem eigenen Becher aufkreuzt. Win win win!

Reicht das denn?

Die eine oder andere stellt sich nun vielleicht die Frage: Reicht das denn? Die Antwort: Nein, ich denke nicht, aber einen Unterschied macht es trotzdem und wir können mit diesen einfachen Handlungen einen Impuls in die richtige Richtung setzen. Klar wäre es das Ideal in optimaler Nachhaltigkeit, ganz ohne Plastik und Umweltverschmutzung zu leben. Die meisten, meinereiner inklusive, sind von diesem Ideal aber (noch) restlos überfordert. Also, bleiben wir geduldig mit uns selbst und machen wir bloß nicht den Fehler, nichts zu tun weil wir nicht alles tun können!

Wie ist bei euch der Stand mit dem Plastik? Ertappt ihr euch auch manchmal dabei, dem lähmenden Perfektionszwang zu erliegen?

Abschließend möchte ich mir herzlich bei WDC für die Einladung und den super spannenden Workshop bedanken, ihr habt mir eine Vielzahl von Denkanstößen gegeben, die ich in einem Artikel gar nicht alle behandeln kann, und die noch lange weiter in mir arbeiten werden! Meine Hochachtung vor eurer Arbeit!

PS.: Wer sich gerne über die Vermeidung von Plastikmüll hinaus für Wale und Delfine einsetzen möchte, kann das selbstverständlich über WDC tun. Zum Beispiel mit einer Patenschaft.

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5 Comments

  • Reply
    Ela
    13. Juli 2017 at 10:05

    Liebe Elisabeth, danke für den super spannenden Beitrag! Und du bringst es echt perfekt auf den Punkt – jede Handlung kann eine Veränderung bewirken. Wir müssen nicht perfekt sein, manchmal gibt es auch nicht die eine, perfekte Lösung für ein Problem – aber allein das Mitdenken, das Verzichten wo es problemlos möglich ist, hilft schon sehr viel.
    Liebe Grüße und alles Gute für deine Masterarbeit!
    Ela

    • Reply
      Elisabeth
      17. Juli 2017 at 14:35

      Vielen Dank liebe Ela, ich freue mich, dass dir der ´Beitrag gefällt. Es war ein inspirierender Tag mit euch!
      Dieses Perfektionismus-Thema macht mir persönlich immer wieder zu schaffen, aber ich denke, da bin ich nicht allein 🙂
      Liebe Grüße,
      Elisabeth

  • Reply
    Wie man Mikroplastik beim Einkauf vermeiden kann
    22. August 2017 at 17:14

    […] Homemade Deliciousness: Weniger Plastik ist Meer! Packen wir’s an Elisabeth zeigt, dass schon kleine Schritte zu großem Erfolg führen können. […]

  • Reply
    Kirschbiene
    28. August 2017 at 14:00

    Huhu Elisabeth,
    das ist ein ganz toller Artikel, danke, dass du ihn für uns geschrieben hast. Mir war nicht bewusst, wie viel Plastik aus Privathaushalten im Meer landet und dass z. B. Mikroplastik aus Kosmetik ein solches Problem ist. Da bin ich umso beruhigter, dass diese ganzen unnützen Füllstoffe in veganer Naturkosmetik nicht vorkommen. Deine „Top 3“ zur Vermeidung von Plastikmüll sind prima und ich finde sie relativ einfach umzusetzen. Relativ, weil ich nicht immer an einen Stoffbeutel denke, wenn ich aus dem Haus gehe und manchmal auf dem Heimweg etwas spontan einkaufen möchte. Dann bin ich jedesmal froh, dass ich große Handtaschen liebe – darin findet sich dann meist noch Platz, um Einkäufe zu verstauen ;-).
    Ich denke auch, dass jeder Schritt, sei er noch so klein, zählt.
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Reply
      Elisabeth
      14. September 2017 at 22:10

      Liebe Bianca,
      vielen Dank für dein Lob! Ja das hat mich auch sehr überrascht, dass in Kosmetik so viel von dem Zeug drin ist! Und das mit der großen Handtasche mache ich auch so 😉
      Liebe Grüße,
      Elisabeth

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