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Nachhaltigkeit Vegan Lifestyle

Tierleidfrei und trotzdem kuschelig in den Herbst: Vegan Stricken

3. Oktober 2016
Vegan Stricken

Der Herbst ist jetzt eindeutig da und wie jedes Jahr bekomme ich Lust, mit flauschigem Garn etwas Kuscheliges zu stricken. Ich stricke nicht besonders gut (längere Anleitungen lassen mich schnell kapitulieren), aber dafür mit viel Begeisterung. Stricken entspannt und schafft für mich die perfekte Herbst-Wohlfühlatmosphäre. Im Meditieren bin ich ja nicht so gut, aber bei dieser repetitiven Arbeit mit den Händen – Masche um Masche, Reihe um Reihe – kommt mein Gedankenkarussell zur Ruhe. Ganz besonders schön finde ich es, dass am Ende immer ein handfestes, greifbares Resultat steht. Egal ob es ein Schal, eine Mütze oder hübsche Pulswärmer sind – es macht mich immer zufrieden, etwas Selbstgemachtes in den Händen zu halten.

Der Stricksspaß fängt genau genommen schon bei der Planung und Vorbereitung an. Bei Selbstgestricktem kann man sich Kleidung und Accessoires maßgeschneidert und den persönlichen Wünschen und Vorstellungen entsprechend gestalten. Form und Farbe können genau so sein, wie wir sie haben wollen. Und nicht zuletzt haben wir natürlich auch die freie Wahl, welche Materialien wir verwenden wollen – und welche nicht.

Und dieses Stichwort bringt uns zum heutigen Thema: Vegan Stricken.

Was ist verkehrt an Wolle?

Was kann an Stricken (und Häkeln) eigentlich unvegan sein? Es ist natürlich das Garn, das oft aus Tierhaaren besteht. Ganz klassisch die Schafswolle, aber auch Alpakas, Kaschmirziegen und Angorakaninchen sind beliebte Quellen.

Warum hinter diesen Garnen Tierleid steht, ist auf den ersten Blick nicht jedem klar. Bis vor nicht allzu langer Zeit dachte ich auch, dass man Wolle als harmloses Naturprodukte mit tollen Wärmeeigenschaften bedenkenlos verwenden kann. Schließlich wird das Schaf ja nicht gehäutet sondern bloß die Wolle abgeschoren, und die wächst dann wieder nach.

Tierleid steht an der Tagesordnung

Leider ist es, wie in allen Bereichen, in denen Tiere „genutzt“ werden, nicht so einfach. In einem Setting, das auf Produktion und Profit ausgerichtet ist, verkommen Tiere immer zur Ware. Grausame Praktiken wie das Mulesing (Schafen werden bei vollem Bewusstsein handtellergroße Fleischstücke herausgeschnitten), das Behandeln der Tiere mit Pestiziden und brutales Vorgehen bei der Schur stehen an der Tagesordnung. (Mehr zum Thema Schafswolle zum Beispiel hier, auf youtube finden sich auch eine Menge Videos zum Mulesing, die ich mir nicht zu Ende ansehen konnte). Angorakaninchen wird das Fell einfach ausgerupft während sie vor Schmerzen schreien. Wer noch mehr Hintergrundinfos über die verschiedenen „Woll-Lieferanten“ will: Hier gibt es eine gute Übersicht über die unterschiedlichen tierischen Woll-Quellen.

Doch das Leid während Haltung und Schur ist noch nicht alles. Nach zwei bis drei Jahren „produzieren“ die Tiere nicht mehr so viel Wolle und werden deshalb „entsorgt“. Das heißt natürlich geschlachtet, und wer weiß wo und unter welchen Bedingungen.

Es steht also fest: Auch für Wolle leiden und sterben viele, viele Tiere.

flock-of-sheep

Foto via Picalls

Welche Alternativen gibt es?

Ich muss zugeben: Ich gebe Wolle, genauso wie Leder, nicht gerne auf. Das liegt daran, dass beide Materialien Eigenschaften haben, die vegan nicht so leicht zu bekommen sind. Wolle ist wunderbar leicht und dabei trotzdem unglaublich warm (sie soll ja auch das Tier warm halten, ohne, dass es unter der Last des eigenen Fells zusammenbricht). Es gibt natürlich Baumwolle, die aber bei weitem nicht so gut wärmt und außerdem im Vergleich sehr schwer ist.

Eine wärmende Alternative sind Kunststoffe wie Polyamid und Acryl, aber diese künstlichen Materialien verlieren beim Waschen kleinste Fasern, die dann als Mikroplastik im Wasserkreislauf landen! Deshalb will ich auf Kunststoffe in der Kleidung so weit wie möglich verzichten (und auch gerne auf die elektrische Ladung, die meine Haare davon bekommen).

Rettung naht: Vegan Stricken mit Materialvielfalt

Glücklicherweise gibt es immer mehr schöne Garne, die aus natürlichen Fasern bestehen und trotzdem vegan sind!

Mais – ein Garn aus 100% Maisfaser habe ich aktuell in Verwendung und bin sehr angetan. Es ist wunderbar weich, kuschelig und leicht. Außerdem gut geeignet für Babies und Menschen mit empfindlicher Haut. Mein grünes Mais-Garn habe ich mit doppeltem Faden zu kuscheligen Arm-Stulpen verstrickt.

Bambus – ein Bambus-Garn habe ich im Geschäft schon um meine Finger schmeicheln lassen und überlege, daraus einen übergroßen Schal zu stricken. Das Garn ist unglaublich weich, seidig und angenehm auf der Haut.

Baumwolle-Mischungen – für kuschelige Sofa-Socken habe ich mir ein robusteres Garn aus Baumwolle, Leinen und Bambus zugelegt und bin schon gespannt auf das Ergebnis.

Soja – aus Rückständen bei der Tofu-Produktion kann anscheinend ebenfalls Garn hergestellt werden. Soyarn hätte mich sehr interessiert, vor allem, weil man damit anscheinend sogar Socken stricken kann und es außerdem in ganz tollen Farben zu haben ist. Die Versandkosten nach Österreich waren mir für eine kleine Bestellung dann aber doch zu hoch (nach Deutschland sind die Versandkosten aber viel niedriger).

Tencel – die Fasern für dieses Garn werden aus verschiedenen Holzarten gewonnen.

Baumwolle, na klar – die gute alte Baumwolle darf in dieser Aufzählung natürlich auch nicht fehlen. Mittlerweile gibt es sie schon häufig in Bio-Qualität oder aus recycelten Fasern.

Weitere Materialien sind Leinen, Hanf und sogar Kork. Für grobgestrickte und robuste Stücke, wie zum Beispiel Sitzkissen, eignen sich Bändchengarne aus recycelten Textilien gut.

Zuletzt möchte ich auch noch die sogenannte Vegetarierwolle erwähnen. Vegetarierwolle ist Wolle von Schafen, die meist auf Gnadenhöfen leben und somit niemals geschlachtet werden. Sie werden nicht mit dem Ziel der Wollproduktion gehalten sondern werden im Frühjahr geschoren, damit ihnen die Sommerhitze nicht so zusetzt. Die Wolle ist somit ein Nebenprodukt und aus meiner Sicht tatsächlich unbedenklich. ABER: Mein Ziel ist es, pflanzliche Alternativen zu Wolle zu finden, die auch in größerem Rahmen ohne Tierleid produziert werden können. Auch das Verwenden von Vegetarierwolle unterstützt in meinen Augen indirekt die Nachfrage nach Wolle. Wer aber überhaupt nicht auf Wolle verzichten möchte, für den ist die Vegetarierwolle eventuell eine gute Alternative.

Vegan Stricken

Die Vorteile pflanzlicher Garne

Die meisten pflanzlichen Garne sind nicht nur tierleidfrei sondern außerdem besser verträglich für Babies und Allergiker. Sie sind zudem meist widerstandsfähiger und langlebiger als Wolle und können in den meisten Fällen problemlos in der Maschine gewaschen werden, was bei Wolle ja oft nicht möglich ist.

Bezugsquellen

Toll finde ich, dass es in vielen Onlineshops bereits einen eigens gekennzeichneten Bereich für vegane Garne gibt. So hat man alle tierfreundlichen Produkte auf einen Blick und muss sich nicht mühsam durch das Sortiment klicken. Diese Entwicklung zeigt auch, dass es immer mehr Bewusstsein für dieses Thema gibt.

Auch viele Woll-Boutiquen wissen mittlerweile, was veganes Garn ist und haben bereits tierfreie Garne aus Pflanzenfasern im Angebot. Durch das explizite Fragen nach veganen Garnen können wir zeigen, dass Nachfrage nach diesen Produkten besteht, was hoffentlich auf lange Sicht zu einem noch besseren Angebot führen wird. Beim Garnkauf würde ich deshalb zu allererst den Gang zu einem „brick and mortar“-Laden wagen. Ich finde es wichtig, das Garn angreifen zu können, um zu sehen, wie es sich auf der Haut anfühlen wird. Außerdem gibt es in der Wollboutique persönliche Beratung und Hilfe bei der Auswahl von Material und Anleitung. (Ich habe meine Garne diesmal bei Wolle Wien gekauft).

Wenn ihr aber lieber online bestellt oder kein Wollgeschäft in der Nähe habt, hier ein paar Online-Shops, die mir gefallen:

vegarn.eu
Ein Shop mit rein veganem Sortiment, der auch auf die umweltfreundliche und faire Produktion achtet. Im Angebot: Tencelgarn, Soja-Garn, faires ägyptische Baumwollgarn und Jerseygarn aus Textilresten.

hooked.de
Textilgarne in vielen Variationen.

pascuali.de
Eigene Sektion für vegane Garne aus Bambus, Mais, Kork, recycelter und ökologischer Baumwolle.

wollewelten.de
Riiiiesige Auswahl an veganen Garnen!

wollhandwerk.de
Hier gibt’s die Vegetarierwolle.

Wie sieht’s bei euch aus? Seid ihr dem Handarbeitstrend auch schon verfallen? Wenn ihr vegan strickt, welches Garn könnt ihr besonders empfehlen? Ich bin aktuell noch auf der Suche nach einem richtig dicken Garn für besonders kuschelige Schals und Mützen…

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  • Reply
    Frau Ohneschuhe
    3. Oktober 2016 at 17:25

    Hallo, ich habe deinen Blog gerade erst entdeckt. Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe Monate gebraucht, um endlich halbwegs vernünftige vegane Sockenwolle zu finden. Viele Handarbeitsfans vergessen oft, was die Wollproduktion überhaupt für die Tiere bedeutet. Ging mir auch ganz lange so. Jetzt stöbere ich mal weiter auf deinem Blog 🙂

    • Reply
      Elisabeth
      4. Oktober 2016 at 08:16

      Liebe Frau Ohneschuhe,

      wie schön, willkommen! 🙂 Danke dir für deinen Kommentar! Bei welcher Sockenwolle bist du denn dann gelandet? Da ich nur welche für Zuhause will und die gerne ein bisschen dicker werden dürfen, versuche ich es mal mit dem Baumwoll-Leinen-Bambus-Gemisch, das wurde mir als robust und geeignet empfohlen. Für dünnere Socken geht das aber nicht.
      Mir ging es auch lange so, dass ich einfach nicht wahr haben wollte, dass Wolle genau so wenig tierfreundlich ist wie Leder.

      Liebe Grüße,
      Elisabeth

  • Reply
    Cookies&Style
    3. Oktober 2016 at 20:49

    Lustig, ich hab mir grade heute wieder Garn gekauft (Baumwolle). Zwar wird im Moment noch gehäkelt bei mir für ein Projekt, aber ich hab dabei natürlich auch direkt die Stricknadeln im Augenwinkel gehabt.
    Was machst du denn schönes?

    LG,
    Ulrike

    • Reply
      Elisabeth
      4. Oktober 2016 at 08:20

      Liebe Ulrike,
      oh was häkelst du denn? Ich würde gerne mal Granny Squares aus Baumwolle häkeln!
      Aus dem Maisgarn habe ich mir flauschig-warme Arm-Stulpen gestrickt, diese hier: https://www.youtube.com/watch?v=40ZgUcLdIpY
      Dazu hab ich den relativ dünnen Faden einfach zweifädig verstrickt.
      Aus dem weißen Garn sollen Socken werden. Hab ich noch nie gemacht, mal sehen, ob was daraus wird 😉
      Liebe Grüße,
      Elisabeth

  • Reply
    Petra
    8. November 2016 at 22:28

    Spannender Beitrag! Tatsächlich hat man das nicht so auf dem Schirm, dass Wolle nicht so geil ist. Allerdings ist Wolle echt wunderbar und leicht. Manchmal ist es echt schwer, gute Alternativen zu finden. Vielen Dank für deine Recherche!

    Ich war mal vor einem Jahr in einer Fast Fashion-Ausstellung im Haus für Kunst und Gewerbe in Hamburg; dort hieß es, dass Baumwolle teilweise auch sehr schlecht für die Umwelt ist – weil dafür unglaubliche Mengen Wasser verwendet werden usw. Es ist echt nicht leicht…

    Liebe Grüße
    Petra von http://www.anothercopycat.com

    • Reply
      Elisabeth
      9. November 2016 at 07:18

      Liebe Petra,
      danke! Mir fällt der Verzicht auf Wolle auch manchmal schwer, weil sie eben doch Eigenschaften hat, die nicht so leicht reproduzierbar sind. Baumwolle ist tatsächlich auch nicht so toll für die Umwelt wegen dem hohen Wasserverbrauch und der hohen Pestizidbelastung (wenn nicht bio). Ich denke, da muss es sowieso in die Richtung gehen, dass wir insgesamt weniger konsumieren.
      Ansonsten bin ich von Bambus als Alternative sehr angetan. Aus dem Material habe ich mir in letzter Zeit ein paar Fair Fashion Shirts gekauft – super weich und angenehm auf der Haut, dabei aber ein schön kräftiges Material! Bambus kann anscheinend auch viel umweltfreundlicher angebaut werden als Baumwolle und wächst viel schneller 🙂
      Liebe Grüße,
      Elisabeth

  • Reply
    Marlin
    13. Januar 2017 at 22:28

    Liebe Elisabeth,

    eine tolle Übersicht! Lieben Dank für die Erwähnung. Schade, dass dich die Versandkosten abschrecken – auch wenn ich das vollkommen verstehe. Mal sehen, wann Vegarn groß genug ist, um den europäischen Kunden preislich entgegen zu kommen.

    Sockenwolle ist auch bei mir gerade ein Thema. Besonders da unser Soyarn nur noch begrenzt verfügbar ist und nicht mehr produziert wird. Hast du bereits Erfahrungen mit Baumwoll-Elasthan-Gemischen?

    Liebe Grüße

    Marlin

    • Reply
      Elisabeth
      14. Januar 2017 at 10:44

      Liebe Marlin,
      danke für deinen Kommentar! Ich verstehe ja, dass du die Versandkosten nicht bestimmst und normalerweise sind die auch kein Problem für mich, aber gerade Garn sehe ich vor dem Kaufen gerne in echt und fasse es an, denn gerade die Farbe und Haptik kommt online oft nicht so gut rüber, und da habe ich mich dann doch abschrecken lassen. Ich hoffe aber jedenfalls auch auf ein kometenartiges Wachstum von Vegarn 🙂
      Wie schade, dass das Soyarn aufgelassen wird 🙁 Ich habe das schon auf Instagram gesehen. Mit Baumwoll-Elasthan-Gemischen habe ich tatsächlich noch gar nicht gestrickt, klingt aber interessant. Kannst du da ein Garn empfehlen?
      Liebe Grüße,
      Elisabeth

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