Instagram

Folge mir auf Instagram!

Allgemein Nachhaltigkeit

Minimalismus für Anfänger

8. Juni 2016

Heute bin ich einmal ein wenig Off-Topic unterwegs! Ich möchte über ein Thema schreiben, das mir gerade besonders am Herzen liegt: Es geht um Minimalismus.

Interessant finde ich die Reduktion auf das Wesentliche schon lange. Es haperte bislang aber an der tatsächlichen Umsetzung und so sammelten sich bei mir in den letzten Jahren immer mehr Dinge an. Gegen Ende 2015 kam ich mir schon regelrecht erdrückt vor in unserer Wohnung. Wir sind keine Messies, ich bin eigentlich sehr ordnungsliebend und ich kann mich nach eigener Einschätzung sogar ziemlich gut von Dingen trennen aber trotzdem wurde irgendwie alles immer mehr und es häuften sich überall Gegenstände und Papierstapel, die keinen festen Platz hatten und es sich deshalb auf sämtlichen horizontalen Flächen gemütlich machten.

Wo ein Stapel ist, da gesellen sich schnell noch ein paar mehr dazu und die Situation wurde immer anstrengender. Es ist mühsam, zu putzen, wenn überall Zeug herumliegt und es arbeitet sich schlecht an einem Schreibtisch, der eigentlich schon als Ablagefläche komplett ausgelastet ist. Außerdem stört der Krempel die Atmosphäre im Raum und verursacht (zumindest bei mir) eine Menge Stress – nicht das Zuhause, das ich mir wünsche.

Mein Vorsatz für 2016 war deshalb: Unbedingt gründlich ausmisten, alles Belastende muss raus. Ich wollte Klarheit und Ordnung, um mehr Energie für die wichtigen Dinge des Lebens zu haben.

In diesem Sinne habe ich angefangen, mich eingehender mit dem Thema Minimalismus zu beschäftigen. Minimalismus – das klang für mich früher eher abschreckend. Kalt und ein bisschen trostlos. Vor meinem inneren Auge sah ich „den Minimalisten“ (in schwarzem T-Shirt und Jeans) sein trauriges Dasein in einer fast leeren Betonhalle fristen. Ein Schreibtisch, ein Computer, ein Bett, das war’s. Leere Wände. Kein unnützes Zeug wie Vorhänge, Teppiche oder gar Dekorationsobjekte. Ich denke ihr hört es raus – damit kann ich mich so gar nicht identifizieren.

stools-690339_1280

Foto via librestock.com

Glücklicherweise habe ich mittlerweile flexiblere Sichtweisen gefunden:

Joshua Fields Millburn & Ryan Nicodemus, die den erfolgreichen Blog „The Minimalists“ schreiben, definieren Minimalismus so:

Minimalism is a tool to rid yourself of life’s excess in favor of focusing on what’s important—so you can find happiness, fulfillment, and freedom.

Leo Babauta (Blog „zen habits“) sagt es so:

It’s simply getting rid of things you do not use or need, leaving an uncluttered, simple environment and an uncluttered, simple life. It’s living without an obsession with material things or an obsession with doing everything and doing too much. It’s using simple tools, having a simple wardrobe, carrying little and living lightly.

Klingt das nicht wunderbar? Freiheit, Einfachheit und Raum für die Dinge, die uns wichtig sind.

Ganz essenziell finde ich die Erkenntnis: Unser Besitz bringt uns nicht nur Freude und Funktion. Er kann auch ziemlich belastend werden. Wir müssen ihm etwas von unserem Wohnraum überlassen. Er muss gepflegt und in Stand gehalten werden. Wenn wir umziehen, schleppen wir ihn unter großer Anstrengung mit. Und wenn zuviel davon da ist, sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Genauer gesagt: Wir können unsere Besitztümer nicht mehr genießen, weil wir sie vor lauter Überfluss gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist beschränkt. Wir können uns nicht auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren. Ihr kennt sicher das Urlaubsfoto-Problem: Erst wenn die Masse an Bildern aussortiert ist und wir ein paar wenige Lieblingsbilder zusammenstellen, können diese ihre volle Wirkung entfalten. Klicken wir uns durch das gesamte Bildmaterial von vorne bis hinten durch, gehen diese Bilder einfach unter und sind bei weitem nicht so eindrucksvoll.

Genau darum geht es für mich beim Minimalismus: Nicht vorrangig um’s Entsorgen sondern um bewusstes Auswählen. Welche Dinge sind es wert in unserem Leben zu sein, und welche Dinge sind eher Störobjekte, die vom Wesentlichen ablenken?

In der westlichen Welt geht es uns heute materiell sehr gut. Aber irgendwie haben wir immer noch den Drang, Dinge „für später“ und „für den Fall der Fälle“ zu sammeln und zu horten. Wir haben Angst, etwas zu entsorgen, weil wir es irgendwann noch brauchen könnten und übersehen dabei total, welchen Preis wir dafür zahlen, nämlich den ungeheuren Aufwand von Energie, Platz und Zeit, den es kostet unser ganzes Zeug zu lagern und zu verwalten. Zu guter Letzt bringt uns „das Zeug“ auch noch um die Freude an unseren Lieblingsdingen, die vor lauter Platzmangel und Reizüberflutung nicht den Raum haben, den sie verdienen. Ein ziemlich schlechter Deal.

„Qualität vor Quantität“, „das Besondere anstelle der Masse“ und „Erlebnisse statt Dinge“ – das sind meine neuen Merksätze, die ich immer konsequenter umsetze. Das Ziel: Leichter und glücklicher leben mit einem freien, klaren Kopf.

rock-731140_1280

Foto via librestock.com

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es doch ein ziemlich radikales Umdenken. Alles muss in Frage gestellt und neu evaluiert werden, denn auf meine bisherige Einschätzung ist offensichtlich kein Verlass.

Also habe ich mir angeschaut, was andere so machen:

  • Da gibt es zum Beispiel David Bruno, der die 100 Thing Challenge ins Leben gerufen hat: Er reduzierte seinen persönlichen Besitz für ein Jahr auf unter 100 Gegenstände (Haushaltsartikel, die auch von anderen Familienmitgliedern benutzt wurden, zählten nicht dazu) und lebte damit so gut, dass er dabei blieb.
  • Ryan Nicodemus machte eine Packing Party. Er packte seinen gesamten Besitz inklusive Möbel in beschriftete Umzugskartons, um zu sehen was er wirklich brauchte und deshalb wieder herausholen würde. Nach drei Wochen waren immer noch etwa 80% der Sachen eingepackt – Ryan spendete und verkaufte den Inhalt seiner Kartons.
  • Joshua Fields Millburn hat seine Besitz gezählt (wirklich alles!) und hier aufgelistet. Inklusive Wanduhr, Zahnbürste, Möbelstücken, Küchenutensilien etc. kommt er auf gerade mal 288 Gegenstände. Ziemlich beeindruckend! (Obwohl mir persönlich sein Apartment wohl etwas zu leer wäre).
  • Liz Wright stellte sich der Herausforderung, 1.000 Gegenstände auszumisten um ihr Leben bewusster zu gestalten.

Die Zahlen und Vorgehensweisen in solchen Challenges sind natürlich rein willkürlich gewählt, doch feste Regeln helfen oft, über den gewohnten Tellerrand zu blicken, umzudenken und etwas Neues auszuprobieren.

Sehr gerne habe ich auch die Artikeln von Francine Jay gelesen. Auf ihrem Blog „miss minimalist“ gibt es eine Menge spannenden Content, der neue Sichtweisen eröffnet.

Was sind eure Gedanken zum Minimalismus?

Weil ich das Thema so spannend finde, wird es dazu in den nächsten Tagen eine kleine Mini-Serie geben. Im nächsten Post erzähle ich euch, mit welcher Methode ich dem Gerümpel an den Kragen gehe.

Abonniere neue Beiträge und meinen Newsletter!
So verpasst du keinen Beitrag mehr! Erhalte neue Posts und den monatlichen Newsletter direkt in dein Postfach!
Ich mag auch keinen Spam. Deine Email Adresse wird selbstverständlich nicht verkauft oder an Drittparteien weitergegeben.
  • Reply
    Jenni
    13. Juni 2016 at 08:17

    Liebe Elisabeth!

    Dir gehen da gerade genau dieselben Gedanken durch den Kopf wie mir – das finde ich toll und höchst spannend! Ich bin froh, dass immer mehr Menschen sich mit den Themen Minimalismus und Reduktion auseinandersetzen – ich glaube, das ist eine der großen Aufgaben, die wir wieder neu lernen müssen in unserer übersättigten Gesellschaft.
    Ich bin aktuell (wie du ja weißt) auch stark am Umkrempeln – und kann gar nicht so schnell vorwärts kommen, wie ich mir das eigentlich wünsche. Daher bin ich sehr gespannt auf deine Methoden und Anregungen zu diesem Thema und hoffe, wir inspirieren uns da gegenseitig! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply
      Elisabeth
      13. Juni 2016 at 10:50

      Liebe Jenni,
      ich finde es auch schön, dass die Entwicklung in Richtung Reduktion und Fokus auf das Wesentliche geht, das wird sowohl uns gut tun als auch dem Planeten! Ich kann dich gut verstehen und würde auch am liebsten alles sofort machen. Da ich leider auch noch andere Sachen zu tun habe, geht halt nur eins nach dem anderen 😉 Aber auch langsam kommen wir an’s Ziel! Ich freue mich auch schon auf weitere Inspiration von dir!
      Liebe Grüße,
      Elisabeth

Leave a Reply

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen