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Allgemein Vegan Lifestyle

Ist vegane Ernährung teuer?

19. April 2016

Muss vegane Ernährung teuer sein? Einen Artikel zu diesem Thema zu schreiben nehme ich mir schon lange vor, denn dieses Vorurteil hält sich wirklich hartnäckig. Ich denke dabei immer an eine Dokumentation, die ich vor einiger Zeit gesehen habe. Der Reporter beschließt, einen veganen Selbstversuch zu machen. Er schnappt sich Attila Hildmanns Buch „Vegan for fit“ und geht damit brav zum Veganz-Supermarkt einkaufen. Erst ist er ganz begeistert von den exotischen Produkten doch als er mit seinem Quinoa, Matcha und Mandelmus (natürlich alles Bio) an der Kasse steht, stellt er erstaunt fest: „Vegan ist zwar spannend aber geht doch ordentlich ins Geld!“

So oder so ähnlich höre ich das viel zu oft – in Fernsehbeiträgen, Zeitschriftenartikeln oder von Bekannten und jedes Mal wenn ich an diese Szene denke, ärgere ich mich ein bisschen, weil hier grundverschiedene Aspekte der Lebensmittelauswahl in einen Topf geworfen werden.

Vegan und Bio

Vegan ist nicht gleich bio. Versteht mich nicht falsch, ich bin definitiv für Bio-Qualität, aber ich finde es wichtig, zwischen vegan und bio ganz klar zu unterscheiden. Ich kann mich vegan ernähren und ganz normale Produkte aus konventionellem Anbau im ganz normalen Supermarkt oder auch Diskonter kaufen. Genauso kann ich Fleisch, Milchprodukte und Eier konsumieren, meine Einkäufe aber großteils in einem Bio-Supermarkt erledigen. Wenn ich konventionelle Produkte im normalen Supermarkt kaufe, wird meine Rechnung immer bedeutend niedriger ausfallen als wenn ich diese Produkte in Bio-Qualität in einem Bio-Supermarkt kaufe – egal ob ich pflanzliche oder tierische Produkte kaufe! Die Veganz-Supermärkte sind zwar keine Biomärkte aber trotzdem eher vergleichbar mit einem Spezialitätengeschäft als mit einem normalen Supermarkt, deshalb geht auch hier der Einkauf deutlich mehr ins Geld.

Vegan und Superfoods

Wenn man sich manche veganen Kochbücher, Foodblogs und Instagram Accounts anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, dass vegane Ernährug ohne Gojibeeren, Quinoa, Matcha, Kakaonibs, Acai-Püree etc. gar nicht möglich ist. Diese sogenannten Superfoods sind zwar durchaus lecker aber eben auch teuer (weil sie meistens nicht heimisch sind – auch Kaffee und Kakao sind teure Luxusgüter, aber das liegt nicht daran, dass sie vegan sind). Ich mag meinen Quinoa, Matcha und Kakaonibs und gebe dafür gerne auch etwas mehr Geld aus ABER ich weiß, dass es sich dabei und Luxusware handelt, also optionale Extras und nicht essenzielle Grundnahrungsmittel. Ich weiß nicht genau, warum Superfoods gerade mit veganer Ernährung so starkt verknüpft werden. Vielleicht liegt es daran, dass die vegane Küche durch exotische Zutaten spannender gemacht werden soll? Dabei ist das gar nicht nötig, es gibt auch in der heimischen Pflanzenvielfalt viel zu entdecken!

Vegan und Ersatzprodukte

Oft wird „den Veganern“ angekreidet, dass sie „so viele Ersatzprodukte konsumieren“. Damit gemeint sind zum Beispiel Sojajoghurt, vegane Würstchen, veganer Aufschnitt, veganer Käse und generell die Vielzahl von Fleisch- und Käse-Ersatzprodukten, die mittlerweile auf dem Markt sind. Man wirft diesen Produkten gerne vor, dass sie erstens teuer und zweitens auch nicht gesünder (oder sogar ungesünder) sind, als die „Originale“. Auch gegen den übermäßigen Sojakonsum wird in diesem Zusammenhang oft gewettert.

Und auch hier möchte ich wieder betonen: Vegan bedeutet frei von tierischen Inhaltsstoffen, es bedeutet nicht, dass meine Ernährung diverse „Ersatzprodukte“ enthalten MUSS. Ich persönlich mag ein bisschen vegane Wurst, Sojajoghurt , Sojamilch und manchmal auch veganen Käse ganz gerne. Meine vegane Motivation ist nicht vorrangig, dass ich mich gesünder ernähren und/oder Geld sparen will, sondern, dass ich Tierleid reduzieren möchte. Eine vegane Wurst hier und da erfreut meinen Gaumen, der von früher noch an bestimmte Speisen gewöhnt ist. Ich sehe diese Produkte aber als Ergänzung zu meinem Speiseplan, und nicht als Grundnahrungsmittel, die ich täglich esse. Und ich bin mir bewusst, (wie sicherlich die meisten Veganer) dass es sehr gut auch ohne Joghurt, Würstchen und fertige Bratlinge geht – das ist kostengünstiger und vermutlich auch gesünder.

Vegan und Gemüse

Mitunter heißt es auch, dass vegane Ernährung teuer sei, weil tierische Produkte durch Gemüse ersetzt werden und frisches Gemüse (und auch Obst) ist tatsächlich (zumindest im Vergleich mit mit manch anderem Lebensmittel) oft nicht ganz billig.

Auch hier finde ich es wichtig, zu unterscheiden. Es mag sein, dass vegan lebende Menschen durchschnittlich mehr Gemüse konsumieren. Das ist ja auch sehr wünschenswert, da die meisten von uns viel zu wenig Gemüse essen. ABER auch vegan geht mit geringem Gemüseanteil erstaunlich gut. Ich kann da nur aus eigener Erfahrung sprechen, denn auch ich bin trotz pflanzlicher Ernährung ständig bemüht, meinen Gemüsekonsum zu erhöhen.

Wenn man darüber nachdenkt ist es logisch, dass diese Tausch-Theorie von „billigen“ Tierprodukten zu „teurem Gemüse“ nicht ganz stimmen kann: Fleisch, Eier und Milchprodukte sind allesamt recht kalorienreiche Lebensmittel. Die meisten Gemüsesorten sind vergleichsweise kalorienarm. Dieser direkte Tausch funktioniert daher höchstens was das Volumen betrifft aber nicht im Hinblick auf den Kalorienbedarf. Die Kalorien (und auch das Protein), die ich brauche, bekomme ich nicht vorrangig durch Gemüse sondern durch Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Nüsse und Öle. Tierprodukte werden daher im wesentlichen auch durch diese kalorienreicheren (und meiste recht kostengünstigen) Lebensmittel ersetzt und nicht durch Gemüse. Ich KANN mich also durchaus auch recht gemüsearm und trotzdem vegan ernähren. Gesund wird eine gemüsearme Ernährung wohl nie sein, weder vegan noch omnivor. (Ich denke, das ist der einzige Punkt bei dem sich sämtliche Ernährungsphilosophien und -richtungen einig sind).

Gutes, frisches Gemüse sollte uns seinen Preis einfach wert sein. Sparen kann man aber trotzdem sehr gut wenn man heimische Sorten, die gerade Saison haben, bevorzugt. Und auch hier gilt wieder: Gemüse im Bio-Supermarkt kaufen ist löblich aber grundsätzlich optional.

Haferflocken

Fazit – sparsam vegan

Ich bin überzeugt: Vegane oder pflanzenbetonte Ernährung KANN, aber MUSS NICHT teuer sein. Ich finde grundsätzlich nicht, dass Essen etwas ist, woran wir sparen sollten. Jenni von Mehr als Grünzeug hat dazu schon einen ausführlich Beitrag verfasst, und ich teile voll und ganz ihre Überzeugung, dass uns gute Lebensmittel ruhig etwas kosten dürfen, da es um unsere Gesundheit, unsere Umwelt und unsere Mitmenschen geht. Ich weiß aber auch, dass es viele Menschen gibt, für die solche Überlegungen Luxus sind und die auf jeden Euro schauen müssen. Studenten leben in Österreich oft unter der Armutsgrenze und ich kann mich selbst noch an meine sehr beschränkten Lebensmittelbudgets aus den Jahren zu Anfang meines Studiums erinnern.

Die gute Nachricht ist aber: So viel Spaß das Experimentieren mit Superfoods auch macht, gesunde vegane Ernährung geht auch ganz günstig. Grundnahrungsmittel wie Getreide, Nudeln, Kartoffeln und Hülsenfrüchte kann man für sehr wenig Geld kaufen (meistens billiger als das billigste Fleisch), ebenso heimische Obst- und Gemüsesorten. Auch Gewürze sind gar nicht teuer, wenn man mal eine Grundausstattung im Haus hat und noch günstiger, wenn ihr sie im Asia-Supermarkt oder International Foodstore kauft. Diese Geschäfte haben außerdem meist eine riesige Auswahl an verschiedenen getrockneten Hülsenfrüchten zum kleinen Preis. Auch Dinge wie Sojasauce, Reis, Reisnudeln, Sobanudeln etc. sind deutlich günstiger zu haben als im regulären Supermarkt. Tofu und Pflanzenmilch gibt es mittlerweile in jedem Supermarkt und oft sind diese Produkte auch gar nicht mehr teurer als Fleisch oder Kuhmilch. Tiefkühlware verwende ich zwar nur punktuell aber wenn es mir im Winter mit Äpfeln und Birnen zu langweilig wird, greife ich zum Beispiel gerne auf TK-Beeren zurück, um mein Frühstück interessanter zu machen. Auch Spinat und Erbsen finde ich tiefgekühlt gut und günstig.

Selbermachen ist oft nicht schwer und kann eine Menge Geld sparen. Vegane Mayo z.B. geht ratzfatz und gelingt im Gegensatz zu Mayo aus Eiern sehr leicht. Vegane Kekse kann man gut auf Vorrat backen, ebenso Knuspermüsli. Selbstgemachte Tomatensauce aus Dosentomaten, Zwiebel, Knoblauch, etwas Zucker und italienischen Kräutern geht schnell und schmeckt um Längen besser als die Fertig-Variante aus dem Glas. Hafermilch kann man leicht selbst herstellen, auch ohne Hochleistungsmixer – durch das Einweichen werden die Haferflocken ja weich. Geht natürlich auch mit Dinkelflocken, Mandeln, Cashewkernen… Die Liste der einfachen und Geld-sparenden Selbermach-Ideen ist endlos! Überlegt euch, wofür ihr viel ausgebt, und seht dann, ob es nicht eine einfache Möglichkeit gibt, dieses Produkt deutlich billiger selbst zuzubereiten.

Generell sparen außerdem Vorbereitung und ein wenig Planung viel Geld. Wir machen uns jeden Samstag eine Liste der Gerichte, die wir in der kommenden Woche kochen wollen (ca. 5, dann haben wir noch Raum für Spontan-Gusto). Bei der Auswahl berücksichtige ich schon mal, was im Vorratsschrank ist und ob bei einem Gericht eine verderblich Zutat übrig bleiben wird, die dann in einem anderen Gericht noch verarbeitet werden muss. Wir sind dabei noch recht frei, sparen aber eine Menge Zeit weil wir nicht jeden Abend noch Einkaufen müssen und außerdem Geld, weil wir auch das verwenden, was schon da ist und weniger Lebensmittel im Müll landen. Meistens machen wir außerdem gleich die doppelte Menge – die zweite Portion gibt es dann am nächsten Tag zu Mittag.

Und die Moral aus dieser langen Geschichte: Vegane Ernährung kann gesund und abwechslungsreich sein, uns mit allen nötigen Nährstoffen (außer natürlich B12) versorgen, hervorragend schmecken und den Geldbeutel trotzdem schonen. Je nach Lebensmittelauswahl ist es sogar gut möglich, dass wir beim veganen Einkauf günstiger wegkommen als jemand, der tierische Produkte kauft.

Und jetzt erzählt mal, was denkt ihr zu dem Thema und welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schaut ihr beim Lebensmitteleinkauf auf’s Geld?

Ich glaube, es wird hier bald noch einen zweiten Post mit dem Schwerpunkt „Günstige vegane Gerichte“ geben, sozusagen zur Demonstration, wie es in der Praxis aussehen kann. Was sind eure liebsten „Spar-Gerichte“?

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  • Reply
    Sabine
    19. April 2016 at 13:41

    sehr schön geschrieben… ich war kürzlich schockiert als dieser Bericht über die Superfoods rauskam…;-( da ich die auch selbst hin- und wieder gerne einsetze… http://help.orf.at/stories/1768918/
    Daher so ein Bericht von dir mit heimischen Superfoods – wär auch super in Kombi mit günstigen veganen Varianten. Ganz tolle Bilder wieder!!! ? Sabine

    • Reply
      Elisabeth
      19. April 2016 at 14:21

      Hallo Sabine,
      danke dir! :-* Danke auch für den Link! Der Bericht hat mich jetzt auch geschockt! :-O Also mir war ja klar, dass die Wirkung der „Superfoods“ nicht unbedingt die von heimischen Lebensmitteln übertrifft, aber, dass da so eine hohe Schadstoffbelastung quasi die Norm ist finde ich erschreckend! Vor allem , weil das Marken sind, denen ich doch vertraut hätte….
      Ein Bericht über heimische Superfoods, das klingt spannend 🙂 Ich werd mal recherchieren!

      • Reply
        Sabine
        19. April 2016 at 23:31

        Stimmt… eine Kollegin hatte den Bericht auch gelesen… und wir waren beide sehr überrascht. Hätte auch gedacht, dass das vor Ort nochmal kontrolliert wird. Vielleicht ändert das Testergebnis ja die Vorgehensweise dahingehend. Da stand doch ein gutes Buch in deinem Regal… heimische Superfoods sind glaub ich die nächsten Rockstars;-D Lg

  • Reply
    Jenni
    24. April 2016 at 22:37

    Liebe Elisabeth!

    Danke zunächst einmal für die Verlinkung! 🙂
    Ich sehe das genauso und kann deinen Ausführungen nur zustimmen – viel zu sehr wird bei solchen generalisierenden Aussagen – wie es nun einmal Kennzeichen generalisierender Aussagen ist – alles über einen Kamm geschert. Es ist ja auch vergleichsweise einfach, sich vom (schönen) Schein blenden zu lassen.
    Ich liebe natürlich auch meine Superfoods und habe eine ganze Palette davon zuhause – aber wenn ich sie einmal gekauft und einen stolzen Preis bezahlt habe, rentiert sich das spätestens dann, wenn ich durch meinen sparsamen Umgang damit ein halbes Jahr mit einer Packung was-auch-immer hinkomme. Wohingegen ich unterdessen 20 Packungen von einem „normalen“ Lebensmittel verbrauche. Man muss schauen, wo da die individuelle Schmerzgrenze ist und die entsprechenden Stellschrauben ein bisschen justieren, dann ist vegane Ernährung alles andere als belastend für den Geldbeutel. Ich muss gestehen, dass ich (wie in meinem Artikel beschrieben) mir meine Ernährung schon etwas kosten lasse – dafür sitze ich aber auf der anderen Seite so gut wie nie beim Arzt und muss auch keine Medikamente schlucken. 😉

    Danke für diesen schönen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply
      Elisabeth
      27. April 2016 at 07:26

      Liebe Jenni,
      ich mag meine Superfoods ja auch gerne, so ist es gar nicht 😉 Und du hast recht, wenn man sie sparsam einsetzt, hat man lange etwas davon! Mir war es vor allem wichtig, „vegan“ von Superfoods zu entkoppeln. Superfoods kann man ja auch essen wenn man Fleisch isst 🙂
      Du hast aber vollkommen recht, ich finde auch, dass unsere Lebensmittel ruhig etwas mehr kosten dürfen, es geht ja schließlich um unsere Gesundheit!

  • Reply
    Blaise
    1. Mai 2016 at 08:55

    Liebe Elisabeth,
    Vielen DANK für dein Artikel. Und den Tipp für die Hafermilch ! Das probiere ich auf jeden Fall ! Es ist einfach klasse !
    Blaise

    • Reply
      Elisabeth
      1. Mai 2016 at 16:39

      Lieber Blaise,
      Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat 🙂 Ich finde es auch toll, dass man Hafermilch so einfach selbst machen kann, spart nicht nur Geld sondern auch Müll!

  • Reply
    Laura
    18. Mai 2016 at 11:37

    Ganz toller Artikel. Vielen Dank dafür.

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