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Nachhaltigkeit Rezensionen

Bücher, die bewegen – Mein Beitrag: „Tiere essen“

4. Februar 2016

Jenni von „Mehr als Grünzeug“ hat ein ganz tolles Blog-Event ins Leben gerufen mit dem Thema „Bücher, die bewegen“. Im Rahmen des Events ruft sie dazu auf, unsere liebsten Bücher zu Themen wie grüner Lifestyle, vegane Ernährung, Achtsamkeit, bewusstere Lebensführung oder philosophische Reflexion vorzustellen.

Ich lese total gerne und besonders in den letzten Jahren sehr viel zu genau diesen Themen, deshalb war es gar nicht so leicht, meinen Favoriten auszusuchen – am liebsten hätte ich euch 25 Bücher und dazu noch ein paar Filme vorgestellt! Aber Jenni ist streng und hat uns auf maximal zwei Bücher beschränkt – zum Glück, denn meine Rezension wären sonst gezwungenermaßen viel oberflächlicher ausgefallen 😉

Das Event läuft übrigens noch bis Ende März und ihr könnte jederzeit einsteigen! Ich freue mich schon sehr auf viele gute Lese-Empfehlungen!
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Meine Wahl fiel nach längerem Überlegen auf „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Warum? Weil es tatsächlich DAS BUCH ist, das mich, und im Anschluss mein Leben, am meisten bewegt hat. Es gibt eine Menge gute Bücher und viele davon finden wir zwar spannend, interessant und aufrüttelnd aber nachdem wir sie zu Ende gelesen haben, packt uns der Alltag und wir vergessen unsere neuen Erkenntnisse. Wenn also ein Buch so lange nachwirken kann, wie „Tiere essen“ das bei mir getan hat, wenn es zudem bewirkt, dass wir endlich einen Schritt gehen können, für den uns davor der Mut gefehlt hat, dann hat es einen Ehrenplatz verdient.

Zu Beginn möchte ich etwas zur deutschsprachigen Fassung sagen: Ich lese sehr viele Bücher im englischen Original, es gibt aber zwei Gründe, warum ich auf jeden Fall empfehle, „Tiere essen“ auf Deutsch zu lesen:

1.) Das Vorwort: Eigens für die deutschsprachige Ausgabe hat Jonathan Safran Foer ein Vorwort verfasst, in dem er betont, dass die Recherchen für das Buch zwar in den USA stattfanden, und sich viele Statistiken auf die US-Landwirtschaft beziehen, dass man aber eine fast gleich lautende Geschichte über die deutsche Landwirtschaft erzählen könnte. Wie wichtig, denn so haben wir nicht die Möglichkeit, die Inhalte des Buches von uns wegzuschieben als etwas, das „diese komischen Amis tun, was es aber so in Europa mit Sicherheit nicht gibt“.

2.) Die deutschsprachige Übersetzung von Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit ist einfach sowas von gelungen! Als sprachlich sensibler Mensch war es für mich eine wahre Freude, ihr Werk zu lesen – Hut ab!

„Tiere essen“ entstand, weil Jonathan Safran Foer zum ersten Mal Vater wurde, und zu diesem Anlass das Bedürfnis hatte, für sich und seine Familie die Wahrheit über das Essen von Tieren herauszufinden:

„Als ich erfuhr, dass ich Vater werde, regten sich unerwartete Impulse in mir. Ich fing an, das Haus aufzuräumen, tauschte längst kaputte Glühbirnen aus, putzte Fenster und ordnete Papiere. Ich ließ meine Brille richten, kaufte mir ein Dutzend Paar weiße Socken, montierte einen Dachgepäckträger aufs Auto und innen ein Trenngitter für den Hund, ließ mich zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder gründlich untersuchen… und beschloss, ein Buch über das Essen von Tieren zu schreiben.“

Und so geht es los: Jonathan macht sich auf den Weg und beschreibt auf erfrischende und zutiefst sympathische Art und Weise, wie er alles daran setzt, dem Thema Fleisch-Essen auf den Grund zu gehen, was er dabei herausfindet und welche Schlüsse er zieht. Er beleuchtet das Thema von vielen verschiedenen Seiten und bringt eine Menge sorgfältig recherchierte Fakten auf den Tisch.

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Schon zu Beginn wird klar, dass es sich hier um kein reines Sachbuch handelt – es ist mehr. Jonathan erzählt seine Geschichte – und verbindet sie mit fundierter Recherche. Und diese Kombination macht dieses Buch so wunderbar!

In keinem anderen Buch, das ich bisher gelesen habe, wird dieses umfangreiche Thema so zugänglich, persönlich und auch humorvoll behandelt – oft musste ich beim Lesen laut lachen, weil die Formulierungen einfach zu herrlich sind. Trotz allem Schmunzeln fehlt aber auch nicht die Ernsthaftigkeit an der richtigen Stelle. „Tiere essen“ ist unterhaltsam und regt gleichzeitig in jedem Satz zum Nachdenken an. Jonathan erzählt einfach und nimmt uns mit auf seine Reise. Der erhobene Zeigefinger ist dabei nie mit im Gepäck.

Gerade diese Art des Geschichten-Erzählens macht „Tiere essen“ zu etwas Außergewöhnlichem! Bestürzende Zahlen und Schilderungen zum Thema Fleischkonsum, Landwirtschaft und Umweltzerstörung finden sich in vielen Büchern, sind sie doch auch eine wichtige Basis, um diese Themen überhaupt diskutieren zu können. Diese Grundlage fehlt auch in diesem Buch nicht und wird auf eindrucksvolle Weise vermittelt, aber: Wir sind ziemlich resistent gegen Fakten, wenn sie nicht zu unserem Selbstverständnis passen und zu der Geschichte, die wir (uns selbst und als Gesellschaft) erzählen wollen. Zahlen sind einfach ziemlich abstrakt und irgendwie „weit weg“, unpersönlich und relativierbar und wir neigen dazu, sie schnell wieder zu vergessen. Jonathan schildert seine persönliche Geschichte und seine Gedanken angesichts seiner Recherche-Ergebnisse aber auf so sympathische und unterhaltsame Weise, dass man nicht umhin kann, ihm Gehör zu schenken und seine Überlegungen mitzuverfolgen.

Bei der Lektüre musste ich lachen und weinen, ich fühlte mich gut unterhalten, tief berührt und sehr nachdenklich gestimmt. Niemals aber wird es trocken oder gar langweilig.

„Tiere essen“ hat mich nicht nur beim Lesen bewegt sondern, wie schon zu Anfang erwähnt, auch weit darüber hinaus: Es war dieses Buch, das für mich der letzte und bestärkende Schubs war, endlich den offiziellen Schritt zur Vegetarierin zu gehen. Ich fühlte mich verstanden und abgeholt und begriff, wie sehr wir emotional an unseren Gewohnheiten, unseren Traditionen und damit eben auch besonders an unserem Essen hängen – und, dass diese Aspekte uns weit stärker bestimmen als Vernunft und Fakten. Diese Erkenntnis war sehr befreiend für mich. Nachdem ich viele Jahre lang mit mir gehadert hatte, war mir jetzt klar, was diesen Schritt zu einer neuen Lebensweise so schwer erscheinen lässt. Ich sah aber auch zum ersten Mal deutlich, dass es mir trotzdem freit steht, neue Wege zu beschreiten, mein Leben nach meinen Wertvorstellungen zu gestalten und einfach neue Traditionen zu schaffen, wenn die alten für mich nicht mehr funktionieren.

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Ihr merkt, „Tiere essen“ ist für mich große Bücher-Liebe und ich kann es jedem, der einen Blick über den Tellerrand wagen möchte, nur wärmstens empfehlen. Erschienen ist es ja schon vor einigen Jahren und für viele von euch bestimmt nicht neu, aber ich muss sagen: Auch der zweite Lesedurchgang hat mir viel Freude gemacht! Also vielleicht auch für euch ein Anstoß, „Tiere essen“ aus dem Regal und sich selbst neue Inspiration zu holen!

Macht ihr auch mit bei Jennis Event? Welche Bücher haben euch bewegt?

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  • Reply
    Jenni
    4. Februar 2016 at 18:31

    Hallo Elisabeth!

    Was für eine wunderschöne Buchvorstellung, die perfekt zum Blog-Event passt!
    Ich bin sehr froh, dass du ausgerechnet dieses Werk gewählt hast – ist es doch auch eines meiner absoluten Lieblingsbücher und hat es mir ebenfalls die Perspektive auf mich und die Welt zurechtgerückt.
    Denn ich verdanke es „Tiere essen“, dass ich endgültig den Schritt zur Veganerin tat – ähnlich wie bei dir und dem Vegetarismus.
    Dieses Buch kann wirklich etwas bewegen – und ich denke, das hat es auch schon. Von daher ein traumhafter Beitrag zum Blog-Event, über den ich mich sehr freue! 🙂

    Ich danke dir herzlich! <3

    Liebe Grüße
    Jenni

    P.S.: Ich bin doch nicht streng! 😉
    Aber ich bin gerade ins Grübeln gekommen – vielleicht hebe ich die Obergrenze auch auf. Eigentlich ist sie ohnehin etwas willkürlich, oder?

    • Reply
      Elisabeth
      4. Februar 2016 at 19:06

      Liebe Jenni,

      danke für’s Vorbeischauen! Ich freu mich, dass dir meine Auswahl gefällt 😀 Ich denke, auch für den Schritt zum Veganismus hat „Tiere essen“ bei mir den Grundstein gelegt, das hab ich mich damals aber noch nicht getraut und es hat noch ein paar Jährchen gedauert – Veganerin nenne ich mich offiziell erst seit diesem Jahr.
      Haha, ok ich nehm’s zurück! 😉 Ich finde die Beschränkung eigentlich ganz gut, weil ich mir so wirklich Gedanken machen musste, welches Buch für mich besonders heraussticht. Mal sehen, ob ich überhaupt eine zweite Rezension schaffe und eine Übersicht meiner liebsten veganen Bücher kann ich ja trotzdem mal machen, wenn ich Lust habe.

  • Reply
    Sarah
    5. Februar 2016 at 07:23

    Hallo Elisabeth,
    genau dieses Buch hat mich zur Vegetarierin gemacht (bzw. den Ausschlag gegeben). Ich habe es auf Englisch gelesen – und ich meine, dass ich es auf Deutsch noch grausamer empfunden hätte, da ich so manches sprachliche Detail nicht verstanden habe. Auf jeden Fall DAS Buch, um sich mit Massentierhaltung auseinanderzusetzen.

    Das Event spricht mich als Leseratte natürlich sofort an. Ich mach mir mal Gedanken dazu, welches Buch ich vorstellen möchte, nachdem Tiere essen bereits behandelt wurde 🙂

    Grüsse,
    Sarah

    • Reply
      Elisabeth
      5. Februar 2016 at 08:31

      Hallo Sarah, danke für’s Vorbeischauen! 🙂 Wie gesagt, absolute Empfehlung auf Deutsch, falls du dich nochmal dran wagen willst! Toll, dass du auch beim Event mitmachst! Ich bin schon gespannt, welches Buch du vorstellst!

  • Reply
    Sandra
    5. Februar 2016 at 07:32

    Toller Post Elisabeth! Ich habe dieses Buch schon öfters im Buchladen gesehen und mich immer gefragt, ob es lesenswert ist. Nach deiner tollen Buchbeschreibung steht es jetzt aber definitiv mit ganz oben auf meiner Bücherliste.

    Alles Liebe
    Sandra

    • Reply
      Elisabeth
      5. Februar 2016 at 08:36

      Liebe Sandra, danke dir! Das freut mich, ich hoffe, es spricht dich genauso an wie mich. Es ist auf jeden Fall DAS BUCH, das ich immer empfehle wenn sich jemand mit dem Thema auseinander setzen will!

  • Reply
    [Blog-Event] Die Leseliste - mehralsgruenzeug.com
    3. April 2016 at 08:42

    […] Beitrag (homemade deliciousness) hat mich unglaublich gefreut. „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer war das Buch, das mich über Nacht zur Veganerin machte. Und unzählige […]

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